Rezession, Neuwahlen und ein emotional gespaltenes Land – die Stimmung in der Allgemeinheit deutet darauf hin, dass sich die deutsche Nation in einem kontinuierlichen Zustand des Machtverfalls befindet. Macht bezieht sich hierbei konkret auf den materiellen Wohlstand einer Nation, die nationale Geschlossenheit und die internationale Vertretung ihrer Interessen. Während diese Entwicklungen mit strukturbedingten Zyklen zu begründen sind, so dem Staatenzyklus der in Towards an Ideal State: The People oder in From Europe to Asia: The Global Shift of Power erläutert wurden, wird in folgender Analyse der Fokus auf die Strukturen und Organisation, sowie dem innenpolitischen Zeitgeschehen der Bundesrepublik Deutschland gelegt.

Konkret werden wir im Folgenden die zeitgenössischen politischen Strukturen auf ihre Legitimität überprüfen, sowie den Anspruch des Regierungsapparates auf Souveränität hinterfragen. Die Essenz ist, die Umsetzung grundlegender politischer Konzepte auf ihre Effizienz zu prüfen, ohne hierbei den Zustand der aktuellen politischen Realität zu ignorieren. Dieser Fallstudie liegen die Analysen Problems in Political Discourse und Sovereignty of Governments zugrunde. Thesen und Argumente beziehen sich auf die Erkenntnisse dieser Analysen, sollten ihrerseits Ungereimtheiten aufkommen, finden Sie das theoretische Fundament in diesen beiden Analysen.

Zusammenfassung: Der Souveränitätsbegriff

Staaten entstehen ursprünglich durch die freiwillige Zusammenkunft von freien Menschen, welche zum Schutz und zur Mehrung ihres Wohlbefindens und ihres Eigentums einen Teil ihrer Souveränität an eine Einheit abgeben, welche die Bürde dieser Aufgabe auferlegt wurde. Diese Einheit nennen wir im Folgenden Regierung. Die Regierung hat zur Erfüllung ihrer Pflichten zwingend eine besondere Souveränität, welche durch die freiwillige Abtretung der Bürger entsteht. Die Regierung besitzt diese Souveränität nur so lange, wie sie ihren Pflichten nachkommt. Sollte die Regierung willentlich gegen diese Pflichten verstoßen, verliert diese, logischerweise, ebenfalls ihre Souveränität.

Um die Willkür einer Regierung zu beschränken, bedarf es einer übergeordneten Autorität, namentlich der Legislative. Zusammen mit der Regierung sowie den ausführenden und richtenden Organen des Landes bildet die Legislative einen essentiellen Teil des Konstrukts, das wir Staat nennen. Die Legislative besteht aus einem System von Normen, die meist kodifiziert sind, um das Zusammenleben in einer komplexen Gesellschaft auf einer gemeinsamen Verhaltensgrundlage zu organisieren. Mit dem Eintritt in eine Gesellschaft verpflichten sich auch die Bürger, diese Regeln zu respektieren und sich der Legislative zu unterwerfen.

Die Legislative ist in ihrem Kern kein Werk zentraler Planung, sondern hat ihren Ursprung in Verhaltensregeln – die sogenannten Gesetze des Verstandes –, die auf universellen Prinzipien basieren, welche im Einklang mit dem Konzept einer objektiven Wahrheit stehen. Die objektive Wahrheit ist konzeptionell die Maxime zur Erklärung der intrinsischen Motivation und deshalb die Basis der Diskussion über kontinuierlichen Antrieb zum Fortschritt. Das Verständnis von richtig und falsch, das durch diese Gesetze des Verstandes vermittelt wird, entwickelte sich in enger Verbindung mit den kulturellen Werten und Traditionen sozialer Einheiten wie Stämmen, Gemeinden oder Klans. Dieses Zusammenspiel legte den Grundstein für die Legislative, wie wir sie heute kennen. Im Folgenden wird bei der Erwähnung der Gesetze des Verstandes der kulturelle Aspekt als integraler Bestandteil vorausgesetzt.

Heutzutage wird vor allem das positive Recht mit der Legislative verbunden, welches im ursprünglichen Sinn jedoch nur das Kodifizieren von Verhaltensregeln war. Das positive Recht entwickelte sich aber bis heute in das Erschaffen von Rechtsnormen, um Strukturen zu organisieren.

Resultierend aus der Hierarchie der Autoritäten sollte erkennbar sein, dass die Regierung, welche die Macht zu herrschen hat, nicht auch gleichzeitig Macht über die Legislative haben sollte. Auch müssen wir an dieser Stelle bereits die Problematik hervorheben, dass eine Priorisierung des positiven Rechts als einzige Form der Gesetzgebung dazu führen kann, dass eine Einflussnahme auf die Freiheit der Bürger rechtens erscheint.

Da das positive Recht immer eine Einflussnahme auf die Strukturen der Gesellschaft bedeutet, wird damit – ob gewollt oder nicht – potentiell die Freiheit der Bürger eingeschränkt. Eine Gesellschaft kann nicht gleichzeitig frei und vollständig das Ergebnis einer zentralen Planung sein. Eine Planung muss Rahmenbedingungen schaffen, die es den Bürgern erlaubt, ihr volles Potenzial zu entfalten, doch diese Rahmenbedingungen spiegeln vielmehr das Kodifizieren der Gesetze des Verstandes wider. Denn diese universellen Prinzipien sind es, die im Einklang mit einer objektiven Wahrheit stehen und damit die Grundlage für die Erfüllung menschlichen Potenzials schaffen. Durch eine Dominanz des positiven Rechts läuft eine Gesellschaft in Gefahr in starre Strukturen zu verfallen, die den kontinuierlichen Prozess der individuellen Entfaltung behindern können.

In der zugrundeliegenden Analyse Sovereignty Of Governments ist eine der größten Gefahren von Gesellschaften, dass der Herrscher, welcher mit einer einzigartigen Souveränität ausgestattet ist, auch Macht über die Gesetzgebung hat. Ist der Gesetzgeber gleichzeitig Regent, welcher durch das Gesetz eingeschränkt sein muss, kommt es unweigerlich zu dem Interessenkonflikt, dass er sich in seiner Macht selbst beschränken müsste. Bevor wir uns aber tiefer mit dieser Problematik beschäftigen, ist es an dieser Stelle essentiell, auf ein weiteres Problem aufmerksam zu machen. Namentlich dem Parteiensystem.

Gefühlsgeleitete Parteipolitik

In Deutschland haben wir ein Mehrheitsparteiensystem das im ersten Eindruck ein Bild von Meinungsvielfalt erschafft. Hier könnte man festhalten, dass der Grundgedanke, also das Schaffen eines weiten und diversifizierten Spektrums, lediglich zu diesem einen Zweck und somit in Einklang mit der Idee demokratischer Prinzipien entstand. Politische Parteien müssen aus ihrer Natur heraus jedoch zwingend eigene Interessen vertreten, da sie dazu gezwungen werden, für einen Teil der Bevölkerung, namentlich der Wählerschaft, möglichst attraktiv zu sein. Hierdurch entsteht ein Problem mit hinreichenden Folgen:

Parteien können keine technischen Ansätze in der Politik verfolgen, welche rein konzeptionellen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft schaffen, sondern müssen, um eben eine bestimmte Untergruppe in einer Gesellschaft anzusprechen, ihre Politik auf Ideologien und Emotionen stützen. Sie müssen sich vermarkten. Des Weiteren lassen sich Menschen natürlicherweise durch Gewohnheiten lenken und haben die Tendenz, ihre derzeitige Realität in Form der Strukturen, in denen sie leben, als einzig mögliche Realität wahrzunehmen. Dementsprechend ist ein technischer Ansatz zur Verbesserung derzeitiger Strukturen wesentlich unattraktiver als das gefühlsgeleitete Abhandeln ihrer Alltagsprobleme. Jedoch ist Politik im Kern eine Wissenschaft wie jede andere: Ein fortlaufender Prozess von Hypothesen und Theorien, deren Gültigkeit bis zu ihrer Invalidierung anhält. Es muss also ein rein technischer Prozess sein, in dem Gefühle keine Rolle in der Entscheidungsfindung spielen. Durch Parteipolitik verändert sich diese Realität hin zu einer gefühlsgeladenen Debatte um verschiedene Ideologien und Dogmatismen. Durch eine anhaltende Praxis dieses Zustandes wird dies zur politischen Normalität, oder anders, zur einzigen und unveränderbaren Realität.

In einem Mehrheitsparteiensystem sammeln sich viele verschiedene Untergruppen der Gesellschaft zu Parteien zusammen. Durch demokratische Wahlen werde diese legitimiert die Regierungsaufgaben zu übernehmen. Hierbei kommt es, aufgrund der Vielzahl der Ideologien, meist nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Die Wähler entscheiden sich für die Partei, mit der sie sich am besten identifizieren können, also der, die am besten ihre Gefühle abgreifen kann. Damit die Wahl in einer Regierungsbildung mündet, müssen die Parteien also Koalitionen eingehen, um eine Mehrheit der Stimmen, also eine berechtigte Souveränität, aufgrund des Mehrheitsprinzips zu erlangen. Im Umkehrschluss bedeutet es aber, dass alle anderen Parteien, die ebenfalls einen Großteil der Wählerstimmen erhalten haben, keinen Einfluss auf die Regierung und somit auf die Interessenvertretung haben. Wie bereits analysiert, vertreten Parteien aber, wenn überhaupt, nur die Interessen ihrer Untergruppe, somit nur einem Teil der Bevölkerung. Außerdem hat der Wähler auf den anschließenden Prozess der Regierungsbildung keinen weiteren Einfluss. Dadurch entsteht in den derzeitigen Strukturen das Risiko, dass die gewählten Parteien mit anderen Parteien, welche den eigenen Ideologien komplett widersprechen, koalieren könnten.

Jede Partei hat die Aufgabe der Interessenvertretung, deren Standpunkte fortan diskutiert werden müssen, und letztendlich zu Kompromissen auf beiden Seiten führen. Die gewählten Parteien müssen von ihren Standpunkten abweichen; sie müssen pragmatisch sein. Hier gibt es einen entscheidenden Unterschied, ob Parteien pragmatisch in der konkreten Umsetzung von Regierungsaufgaben sind, oder ob sie pragmatisch in ihrer Zielsetzung, also dem ideologischen Kern ihrer Identität sind. Sind sie pragmatisch in ihren Ideologien, ist dies ein Indiz dafür, dass sie diese lediglich als Instrument zur Erreichung ihrer eigenen Interessen, der Erhaltung und Erweiterung der Macht nutzen. Da bereits die Struktur des Parteiensystem schwer kompatibel mit dem Souveränitätsanspruch von Regierungen ist, wäre eine Partei, welche nicht den suggerierten Ideologien entspricht, offensichtlich frei von jedem Herrschaftsanspruch.

Sicherlich könnte an dieser Stelle noch wesentlich tiefer in die Analyse der Parteienstruktur gegangen werden, so wurde beispielsweise die parteiinterne Laufbahn von angehenden Politikern und die daraus resultierenden Persönlichkeitszüge zukünftiger Regenten völlig außer Acht gelassen. Die bereits analysierten Aspekte zeigen aber deutlich auf, dass das Parteiensystem in Deutschland Strukturen für eine schleichende Etablierung tyrannischer Regierungen schafft. Tyrannisch deshalb, weil sie ohne legitimierte Autorität regieren. Die Autorität entfällt immer dann, wenn sie eigene Ziele gegenüber denen der Gesellschaft und ihrem kulturellen Kern verfolgen, wenn sie gegen die Gesetze der Vernunft aufgrund ihrer eigenen Ideologie verstoßen oder wenn sie gegen das Eigentum ihrer Bürger vorgehen.

Damit fällt die Rolle der Legislative ins Zentrum der Betrachtung, denn sie ist der eigentliche Garant für die Begrenzung von Macht.

Probleme in der Legislative

Die Legislative ist die höchste Autorität in einem Staat, welche nur durch das Eigentum und den Verstand begrenzt ist. Sie sorgt zum einen für einen Rahmen, in dem sich der Herrscher um seine Regierungsaufgaben zu kümmern hat, andererseits verpflichtet die Legislative alle Bürger des Staates sich dieser zu unterwerfen. Es ist nun paradox, dass die Einheit, die durch die Legislative beschränkt sein sollte, selbst die Legislative übernimmt. Im Falle Deutschlands hat die Regierung die Macht über die Legislative und somit ein Werkzeug zur Ausübung einer Macht, die niemals hätte vorgesehen sein können. Warum kann diese nicht vorgesehen sein? Weil wir, unter anderem in Sovereignty Of Governments, festgestellt haben, dass freie Menschen freiwillig den Naturzustand verlassen, um als vereinigte Gesellschaft bessere Schutzmöglichkeiten der Sicherung ihres Lebens, ihres Eigentums und ihrer Freiheit zu haben. Hierfür unterwerfen sie sich freiwillig Regeln, welche zu Beginn nur eine Kodifizierung bereits geltender Verhaltensregeln – Gesetze des Verstandes – darstellen. Gesellschaften wurden eben deshalb gegründet, um sich vor Menschen zu schützen, welche sich nicht den Gesetzen des Verstandes fügten. Dem Regenten der Gesellschaft nun eine Macht zu verleihen, mit welcher er entscheidet, was Recht und Unrecht ist, somit also willkürlich handeln kann, widerspricht jeglicher Vernunft.

Dominanz des Positiven Recht

Neben diesem Paradoxon gibt es einen weiteren kritischen Aspekt im deutschen Rechtssystem, nämlich der Dominanz des positiven Rechts. Das positive Recht, also das positive Schaffen von Rechtsnormen gibt es in jedem Rechtssystem und in jeder Form gesellschaftlichen Lebens. Anders ist eine moderne und komplexe Gesellschaft auch nicht zu organisieren. Das deutsche Rechtssystem wird, wie die meisten kontinentaleuropäische Rechtsysteme auch, vom Zivilrecht geprägt. Dieses hat ihren Ursprung aus dem Römischen Recht und setzt auf genau diese Dominanz der positiven Gesetzgebung. Das Gegenstück hierzu ist das Common Law, welches insbesondere im angloamerikanischen Raum präsent ist. Hier spielt die Kodifizierung eine geringere Rolle und sorgt lediglich für einen Rahmen in welchem die Entscheidungen, also das Verständnis und die Interpretation dieser Gesetze durch Richter, eine wesentlich größere Rolle spielen. Hiermit wird ein flexibleres Rechtssystem geschaffen, welches natürlicherweise auch Raum für Imperfektion bietet. Ohne weiter in die Unterscheidung dieser Rechtssysteme eingehen zu müssen, ist der Aspekt des Schaffens eines Rechtsrahmens das Entscheidende für die weitere Analyse. Das Gesetz des Verstandes, die Grundlage gesellschaftlichen Lebens, muss zwingend hierarchisch über dem positiven Recht stehen. Die Kodifizierung dessen muss als Rahmen fungieren, geläufig als Begriff der Verfassung, in Deutschland namentlich das Grundgesetz.

Die Dominanz des positiven Rechts ist deshalb gefährlich, da die dauerhafte Schaffung neuen Rechts das Bewusstsein für den Ursprung der Souveränität zur Rechtsprechung zunehmend trübt. Vereinfacht gesagt, verändert sich die Wahrnehmung der Hierarchie: Wenn alles Recht allein durch seine bloße Schaffung legitimiert wird, könnten die kodifizierten Gesetze des Verstandes fälschlicherweise als Teil des positiven Rechts wahrgenommen werden. Doch diese Gesetze sind nicht positiv geschaffen worden – sie sind vielmehr der Ursprung unserer Gesellschaften. Alles positive Recht darf daher niemals in Widerspruch zu ihnen stehen. Wenn jedoch die Grenze zwischen positivem Recht und den Gesetzen des Verstandes verläuft, birgt dies tiefgreifende Gefahren. Diejenigen, die die Macht über die Legislative innehaben, könnten sich dadurch über ihre Grenzen hinwegsetzen, denn die Bindung an die höheren Gesetze des Verstandes würde entfallen.

Im Falle Deutschlands wird diese Problematik besonders deutlich: Der Regent, der ohnehin nicht die gesetzgebende Gewalt innehaben sollte, könnte durch diese Entwicklung die Grenzen seiner Souveränität überschreiten. Weiter könnte der Trugschluss entstehen, dass er selbst Schöpfer dieser Gesetze sei. Würde man annehmen, er habe die Gesetze des Verstandes ebenso geschaffen wie das positive Recht, so hätte seine Autorität keine natürlichen Schranken mehr.

Ein weiterer Aspekt, welcher weniger mit unserer Ausgangsfrage des Souveränitätsanspruchs verbunden ist, ist die fortlaufende Entwicklung der Ineffizienz von geplanten Strukturen. Geplante Strukturen sind immer an das beschränkte Wissen und Weitsicht seiner Architekten gebunden; eine Einsicht, die in der Wirtschaft breitflächig anerkannt ist. Bei den weitaus komplexeren Strukturen von modernen Gesellschaften wird dies jedoch ignoriert und insbesondere in Deutschland versucht, die Gesellschaft bis ins kleinste Detail zu planen. Erkennen können wir dies unter anderem anhand der kontinuierlichen Kontrollmaßnahmen in der Nutzung und Beschaffung von Bargeld sowie an den wachsenden Überregulierungen von Vorschriften in verschiedenen Bereichen. Hierdurch wird zum einen die Freiheit beschränkt, zum anderen die Effizienz beschnitten. Die Planer, in dem Fall die Regierung, können in der Praxis niemals alle Informationen besitzen, die erforderlich wären, um in jedem Bereich – in dem sie positives Recht schafft – eine ideale Lösung zu erreichen. Dieses Informationsdefizit führt unweigerlich zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen, die die beabsichtigten Ergebnisse gefährden oder sogar ins Gegenteil verkehren können. Mit einem flexibleren Rechtssystem, geschaffen durch einen Rahmen an unumstößlichen Grundsätzen, könnte jedoch eine dynamische und situationsabhängige Lösung ermöglicht werden.

Zwischenfazit

Der Gesetzgeber in Deutschland ist die Regierung, welche aus ideologischen Machtzentren, den Parteien, besteht. Die starke Präsenz des positiven Rechts ermächtigt den Gesetzgeber – in Deutschland zugleich die Regierung – dazu, die Strukturen einer ursprünglich freien Gesellschaft bis ins kleinste Detail zu planen. Die Einheit der Gesetzgebung behält dennoch die Aufgabe den Regenten einzuschränken. Inwiefern sich ein Machthaber dazu ermutigt, seine eigene Macht einzuschränken, insbesondere wenn er durch die Parteistruktur gezwungen ist, seine Vormachtstellung zu sichern, verdient kritische Betrachtung.

Hinzu kommt, dass der Machthaber, sobald gewählt, freie Verfügung über seine Zielsetzung hat. Durch die Macht der Gesetzgebung hat dieser zusätzlich also ein Instrument, um Gesetze – die höchste Autorität in einer freien Gesellschaft – nach seinen Ideologien zu schaffen. Durch die höhere Stellung des positiven Rechts ist es nur natürlich, dass dies in der Bevölkerung höher angesehen wird als das Vernunftrecht. Somit erweckt es den Anschein, dass das positive Recht der Maßstab des Rechts ist und nicht bloß ein Werkzeug zur Organisation gesellschaftlichen Zusammenlebens. Recht wird also durch ihre bloße Schaffung rechtens und wird nicht durch die zwei hierarchisch höheren Einheiten Vernunft und Eigentum eingeschränkt.

Somit ist ein Werkzeug geschaffen, womit ein Regent theoretischnach und nach eine Realität nach seinem Willen schaffen könnte, die dem Bürger nicht einmal auffallen würde. Warum aber fällt ihm diese nicht auf?

Entmündigung

Menschen bewegen sich häufig innerhalb der Grenzen sozialer und kultureller Normen, ohne zu hinterfragen, ob Alternativen existieren. Insbesondere gesellschaftliche Strukturen vermitteln Vorstellungen davon, wie Dinge augenscheinlich zu sein haben. Dazu kommt, dass Menschen aus Angst oder Unsicherheit vor Veränderungen in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben. Auch kostet es Kraft, die eigenen Grenzen zu überschreiten, wie etwa in Weakness in Politics: A Physical Approach erläutert wird. Dies wird insgesamt auch als kognitive Einschränkung durch Erfahrung zusammengefasst.

Hieraus ergibt sich folgende Schlussfolgerung: Der politische Diskurs schafft einen Rahmen, in welchem sich gesellschaftliche Debatten entfalten. Dieser Rahmen entfaltet sich nicht nur über die Themen, sondern auch über die Art und Weise der Debattenführung. Durch fortwährende Praxis wird diese Struktur zur scheinbar einzigen Realität. Im Umkehrschluss formt derjenige die Realität, der den Diskurs bestimmt.

Hier müssen wir wieder zu dem ursprünglichen Problem zurück, dass aus den aktuellen Strukturen heraus, politische Debatten – somit der Diskurs – auf das gefühlsgeleitete Erreichen der potentiellen Wählerschaft beschränkt ist. Der gesamte politische Fokus zentriert sich ausschließlich auf die Frage, welche Partei am meisten meineInteressen vertritt. Die Wissenschaft hinter der Politik verliert ihre Kraft; im Vordergrund steht das Eigeninteresse der Bürger, nicht aber eine technische Herangehensweise für tatsächlich bessere Politik. Unabhängig von der Ausrichtung und Ideologie der Partei sind diese dazu gezwungen den Wähler für sich zu gewinnen. Das Mehrheitsparteiensystem schafft ein Umfeld, in welchem der Großteil der Wählerschaft ausschließlich auf Basis ihrer Gefühle Entscheidungen treffen wird. Ist der Diskurs auf Gefühle aufgebaut, entsteht ein Belohnungssystem, welches die Gesellschaft darauf konditioniert, ihre Entscheidungen auch weiterhin auf Gefühle aufzubauen, da die Inhalte irrelevant werden, solange das Belohnungssystem stimuliert wird. Hierdurch wird die Art und Weise der Realität manifestiert und ein Rahmen geschaffen, in dem Rationalität – in diesem Kontext ein Synonym der Vernunft – nur eine sekundäre Rolle spielt.

Das Spektrum, in welchem sich dieser gefühlsgeleitete Diskurs bewegt, wird auch durch das Parteiensystem vorgegeben. Auch dies liegt, wie bereits erläutert, in der Natur dieser Strukturen. Da sie auf eine Wählerschaft angewiesen sind, müssen sie die Gefühle der Bürger zu ihrem Zweck – dem Gewinnen und der Erhaltung von Macht – instrumentalisieren. Der politische Wahlkampf ist eine Instrumentalisierung der Gefühle der Bürger. Auch werden während der Amtszeit einer Regierung die Gefühle der Bürger benutzt, um die eigene Politikgestaltung zu rechtfertigen. Hierfür ist insbesondere das Benutzen von Schlüsselwörtern eine etablierte Methode – Krieg gegen den Terror, Klimakatastrophe, Coronaleugner, Hitler-Vergleiche, und so weiter. Dies inkludiert das Diffamieren von gegensätzlichen politischen Ideologien und ebenfalls das Kritisieren der Vernunft. Ein ausführliches Beispiel für eine Instrumentalisierung von Schlagwörtern wird in der Analyse Moral Hazard: Wie Macht, Geld & Moral aus dem Westen den Iran beeinflussen thematisiert.

Mündig ist ein Mensch dann, wenn er anhand seines Verstandes, seines Wissens und seiner Reflektion eigenständig handeln kann. Die rechtliche Mündigkeit unterstreicht die Essenz dieses Gedankens, meist in Form einer Altersgrenze, ab der ein Bürger diese Attribute besitzen sollte. Wenn die Strukturen eine Realität schaffen, in der die Bürger sowohl in der Art und Weise ihres Denkens als auch im Spektrum ihres Denkens maßgeblich beeinflusst werden und sich die Realität schlimmstenfalls von der Vernunft entfremdet, können wir dann noch von mündigen Bürgern sprechen? Wenn wir Teile der Gesellschaft die Mündigkeit aberkennen, da sie keinen ausgereiften Verstand besitzen, Herr ihrer eigenen Situation zu sein, wie können wir einen anderen Schluss ziehen bei Menschen, dessen Art zu Denken und zu Handeln durch fremde Hand bestimmt wird?

Angenommen, bei dem Großteil der Gesellschaft handelt es sich um entmündigte Bürger, dann bedarf es einen Vormund, der seine Interessen vertritt. Wie beschrieben schaffen die Staatsorganisationsstrukturen die Realität seiner Bürger, somit gäbe es keine andere Entität, welche die Rolle des Vormundes übernehmen könnte. Um diese These zu validieren, bräuchte es nicht nur genannte Strukturen, sondern auch Indizien für eine technische Umsetzung.

Souveränität Ja/Nein?

Ein Zeichen für die Bevormundung und damit eine schleichende Entmündigung der Bürger zeigt sich in der Dominanz der positiven Rechtsprechung bei der Organisation gesellschaftlicher Strukturen. Durch eine immer stärkere Strukturierung des Lebens greift man zwangsläufig in die freiheitliche Selbstgestaltung der Bürger ein. Neben der daraus resultierenden wachsenden Ineffizienz bleiben auch die bereits analysierten Problematiken im Zusammenhang mit dem Begriff der Souveränität bestehen. In diesem Kontext erscheinen auch die Leitmotive der Regierung in einem gänzlich anderen Licht: Eine Institution, die per Definition den Interessen ihrer Bürger dienen soll, begibt sich zunehmend in eine Position, in der sie, überzeugt davon, bessere Entscheidungen treffen zu können, das Leben der Bürger immer stärker reguliert und gestaltet.

Ein prägnantes und modernes Beispiel solcher Auswüchse ist sicherlich die Coronapandemie, die ergänzend zu einer tiefgreifenden Kontrolle des öffentlichen Lebens auch ein Paradebeispiel für die Kontrolle des öffentlichen Meinungsspektrums ist. Eine tiefgreifende Analyse der politischen Wirkungsweisen dieser Zeit würde den Rahmen des Artikels sprengen, sicherlich sind aber jedem die Debatten um Zensur, Stigmatisierung und die gesellschaftliche Polarisierung noch präsent. Der Konsens gründete sich ausschließlich auf gefühlszentrierter und ideologischer Basis, abweichende Perspektiven – in einem eigentlich wissenschaftlichen Konsens – fanden oft keinen Platz im öffentlichen Diskurs. Neben der Normierung des öffentlichen Diskurses wurde auch die individuelle Entscheidungsgewalt, ebenfalls die der körperlichen Unversehrtheit, in Form von Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht und Impfvorgaben durch die Regierung organisiert. Während dies lediglich ein Beispiel staatlicher Bevormundung ist, bietet es ausreichend Anlass, folgende Beobachtung mit der nötigen Aufmerksamkeit zu betrachten:

Der Staat muss entweder der legitime Vormund der Bürger sein, um solche Maßnahmen in ihrem Sinne zu vollziehen, oder, wenn er nicht der Vormund ist, muss er mit einer Autorität ausgestattet sein, die die natürlichen Grenzen einer Regierung aufhebt. Denn die kodifizierten Gesetze des Verstandes sind meist die Verfassung eines Staates und geben ein Rahmenwerk, welches sowohl Regierung als auch Bürgerschaft unterwirft. Kann die Regierung gegen die Verfassung handeln, muss ihre Autorität logischerweise hierarchisch höher sein. Da die Erben einer Gesellschaft die vernunftbegabten Menschen sind, stellt sich an dieser Stelle die Frage, welches vernunftbegabte Wesen sich freiwillig in eine Situation bringen würde, die konträr zum Ursprung von Gesellschaften steht. Denn wenn der Ursprung von Gesellschaften das Vermehren und das Sichern von Eigentum ist, das des eigenen Wohlergehens miteingeschlossen, ist es irrational, die Regierung zum Handeln gegen diese Grundprinzipien zu legitimieren. In beiden Fällen muss die Frage aufkommen, ob die Regierung im legitimen Besitz der Souveränität ist.

Eine Regierung ist nur so lange souverän, wie sie ihren auferlegten Pflichten nachkommt. Ihre Souveränität beschränkt sich auf die Pflichten der Wahrung und Sicherung des Eigentums seiner Bürger, dem Sichern des Wohlergehens seiner Bürger und dem Handeln nach dem Willen seiner Bürger. Ein ideales Staatskonstrukt würde ebenfalls die Voraussetzungen in Form von Strukturen schaffen, die es jedem Individuum der Gesellschaft ermöglichen würde, echte Wissensschöpfung, somit dem Streben eines vollen Potentials zu ermöglichen. Er verliert seine Souveränität bei einem überschreiten seiner natürlichen Grenzen, bei Zuwiderhandeln gegen seine Pflichten, bei einem Zuwiderhandeln gegen die Gesetze des Verstandes oder bei dem Nachkommen eigens gesetzter Ziele, zumindest wenn diese im Widerspruch zu dem Willen der Bevölkerung stehen.

Ich denke, dass zu jedem dieser Aspekte genügend Anhaltspunkte geliefert wurden, um sich eine eigenständige Meinung zur Sachlage zu bilden, weshalb es auch nicht Sinn und Zweck dieses Textes sein kann, ein abschließendes Urteil vorzugeben. Vielmehr ist es notwendig, sich gefühllos mit den problematischen Strukturen auseinanderzusetzen und durch rationales Denken eigenständig Ansatzpunkte für mögliche Verbesserungen zu erarbeiten.

Verbesserungsvorschläge

Folgendes leitet zum Abschluss des Artikels, nämlich zu den Anhaltspunkten persönlicher Verbesserung. Denn nur durch das Verbessern auf persönlicher Ebene können die Strukturen, die derzeit unsere Realität bestimmen, nachhaltig verändert werden. Das Ziel muss eine Struktur sein, die auf politischer Ebene eine rein technische Entscheidungsfindung ersucht und auf persönlicher Ebene die Voraussetzungen schafft, nach Selbsterfüllung zu streben. Durch eine Veränderung der persönlichen Ebene schafft man ein Umfeld, in dem jedes Mitglied einer Gesellschaft sein höchstmögliches Potential verfolgt, was nach liberalen Ansätzen zu einem Ausschöpfen des gesamtgesellschaftlichen Potentials führen kann.

Um konkret zu werden, ist der erste Schritt, sich selbstständig Wissen anzueignen. Wissen ist die Basis für die Kultivierung des Verstandes, somit auch die Essenz für kritisches und eigenständiges Denken. Da die Erben einer Gesellschaft die vernunftbegabten Wesen sind, muss es die mindeste Zielsetzung der Mitglieder sein, sich dessen anzunehmen. Des Weiteren ist Wissen die Basis, um sein eigenes Potential auszuschöpfen. Dementsprechend profitiert die gesamte Gesellschaft – der Staat und die Nation – von einer möglichst hohen Anzahl von Mitgliedern, die nach Selbsterfüllung im Kontext der objektiven Wahrheit, also der echten Wissensschöpfung streben.

An nächster Stelle ist der bereits erwähnte Punkt des kritischen und eigenständigen Denkens. Gesamtes Wissen ist im Kontext des strukturellen Verständnisses bedeutungslos, wenn es nicht zu der Entwicklung eines eigenen Bewusstseins genutzt wird. Hier müssen wir hervorheben, dass die Aneignung von Wissen nicht eindimensional, also eine Mehrung des Wissens eines bereits bekannten Themengebietes sein kann, sondern auch das Wissens – und Meinungsspektrums erweitert werden muss, um anhand verschiedenster Aspekte seinen eigenen Verstand zu schärfen. Man muss insbesondere ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Themen, die rational betrachtet auf einem rein technischen Spektrum diskutiert werden müssen, dennoch emotionalisiert werden, meist die Themen sind, in denen eine kritische Betrachtung essenziell ist. Je dringender versucht wird, eine Thematik durch Ideologien zu beeinflussen, desto wichtiger ist die Fähigkeit, sich davon zu lösen, um einen Gesamtüberblick zu behalten. Ich denke es ist überflüssig zu erwähnen, dass man niemals zu einem idealen Ergebnis kommen kann, wenn man nur den Argumenten folgt, mit denen man gefühlsgeleitet sympathisiert.

Verändert sich das Bewusstsein der Bürger, verändern sich auch ihre Handlungsweisen. Die aktuellen Strukturen funktionieren ausschließlich aufgrund der beschränkten Wahrnehmung und dem Widerwillen, die derzeitige Realität auf ihre Effektivität zu überprüfen. Fokussieren wir die Aufarbeitung dieser Defizite ist eine schrittweise Verbesserung der Strukturen denkbar. Eine Verschlankung des positiven Rechts beispielsweise führt zu einer eindeutigeren Hierarchie der Autoritäten; das Gesetz des Verstandes gewinnt als Rahmenwerk der Gesellschaft wieder ihre ursprüngliche Bedeutung. Auch entwickelt sich durch den kontinuierlich reifenden Verstand ein stärkeres Bewusstsein für technische Verbesserungen der Struktur. Die Legislative könnte – um nur eine mögliche Variante zu erwähnen – dem Kompetenzbereich der Regierung entzogen werden, um zum einen die Einflussnahme des Regenten zu verhindern, zum anderen um die Legislative von den Strukturen des Parteiensystems zu entziehen. Anstelle des derzeitigen Konstrukts könnte die Legislative durch ein Gremium gebildet werden, dessen Mitglieder nicht durch parteipolitische Organisation beeinflusst werden können. Die Auswahl wird ausschließlich durch Grundlagen und Kompetenzen getroffen, und durch Mechanismen wie lange Amtszeiten kann ihre Unabhängigkeit sichergestellt werden. Außerdem müsste die Legislative kein permanent aktives Gremium sein, da die Rechtsstruktur hauptsächlich durch das Rahmenwerk der Gesetze des Verstandes organisiert ist. Somit wären die Mitglieder des Gremiums gezwungen, anderen Tätigkeiten nachzugehen, was eine Aufstellung aus wirtschaftlichen Gründen ebenfalls minimieren würde. Es wäre eher eine Bürde und Pflicht gegenüber der Gesellschaft als eine begehrte Machtposition.

Durch die Entwicklung eines Verstandes, dem Aneignen von Wissen und dem Entwickeln eines unabhängigen Bewusstseins schaffen wir die Voraussetzung struktureller Verbesserung. Durch echte Wissensschöpfung zur Erfüllung des individuellen Potentials erreichen wir strukturelle Verbesserung. Es ist die Verantwortung jedes Einzelnen, die Grenzen des eigenen Bewusstseins zu erweitern und durch kluge, reflektierte Entscheidungen dazu beizutragen, eine Gesellschaft zu gestalten, die Freiheit, Rationalität und Fortschritt miteinander in Einklang bringt.